Nach der Flut kommen die Plünderer

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Jacqueline Gut (r.) beim Sortieren ihrer vom Hochwasser geschädigten Sachen. (Foto: zVg)
 

Das Paar Jacqueline Gut und Jürg Rindlisbacher konnte in Küngoldingen gerade noch verhindern, dass seine Sachen entwendet wurden.

Kurz nach 22 Uhr. Jacqueline Gut erhält eine Kurznachricht von ihrer Nachbarin. «Sie hat mir geschrieben, dass da Leute sind, die unsere Sachen klauen», erzählt die Küngoldingerin. Ihr Lebenspartner Jürg Rindlisbacher und sie seien daraufhin auf den Balkon gestürmt. Und tatsächlich: Da waren zwei Männer, die sich in der Dunkelheit bei den Sachen bedienten, die die Anwohner aus ihren Garagen und Kellern ausgeräumt hatten. «Die Feuerwehrleute haben uns gesagt, dass die Garagen und Keller so schnell wie möglich geräumt und gereinigt werden müssen, um anschliessend der Versicherung eine Schadensmeldung aufgeben zu können», so Gut. Gesagt, getan. Es wurde alles herausgeholt. Im Quartier seien an verschiedenen Stellen Sachen aufgehäuft, die von den Besitzern noch sortiert und für die Versicherung dokumentiert werden müssten. «Darunter sind beispielsweise Hundeboxen, Ski, Skiträger und Snowboards. Alles Dinge, die mit Wasser abgespritzt werden können und die man anschliessend wieder verwenden kann», so Gut.

Das Augenmerk der beiden unbekannten Männer lag am Montagabend jedoch auf etwas anderem: «Sie hatten sich einige Transportwagen, Pneus und Felgen zusammengesucht und bereit gemacht für den Abtransport.» So weit sei es aber nicht gekommen, da sie und ihr Partner die Männer vom Balkon aus eindringlich angeschrien hätten, sie sollten dies lassen. «Als Jürg ihnen mit der Polizei gedroht hat, haben sie alles stehen und liegen gelassen und sind weggerannt. Weiter vorne sind sie in ein Auto eingestiegen und geflüchtet», berichtet die 51-Jährige und ergänzt: «Ich hätte Verständnis dafür, wenn man so etwas noch nie erlebt hat, das Gefühl hat, das sei alles zum Entsorgen gedacht und fragt, ob man sich etwas nehmen darf. Aber das waren keine Leute aus unserem Quartier. Das sind Plünderer.» Die Folgen des Unwetters seien schlimm genug, «aber wenn dann auch noch Sachen wegkommen, bevor man sie dokumentiert hat, kann man sie auch nicht der Versicherung melden».

Oben Hagel, unten Hochwasser

Noch immer hat die Überbauung, in der das Paar wohnt, weder Strom noch warmes Wasser. Dank eines Notstromgenerators müssen die Bewohner nicht im Dunkeln sitzen, «aber Apparate, die viel Strom benötigen wie Kochherd oder Waschmaschine dürfen wir nicht benützen». Gegessen werde vor allem kalt oder dann auswärts. Während der Hagel alle Pflanzen in ihrem Terrassengarten zerstört habe - darunter Randen, Fenchel, Auberginen und auch Lauch -, sei im Keller und in der Tiefgarage alles dem Hochwasser zum Opfer gefallen, darunter auch die beiden Autos des Paares. «Das tut schon weh. Was aber Jürg besonders schmerzt, ist die viele Arbeit und das Herzblut, das er in seine selber gemachten Glaces gesteckt hat», so Jacqueline Gut. 20 Kilogramm feinstes Glace in allerlei Sorten hatte der 54-Jährige im Tiefkühler im Keller gelagert.

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