SVP-Chef Thomas Burgherr im Interview: Partei muss den Slogan «SVP bi de Lüt» besser umsetzen

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Thomas Burgherr ist Präsident der SVP des Kantons Aargau und seit 2015 Nationalrat. (Bild: Alex Spichale)

Herr Burgherr, was ist ihre Bilanz nach dem Wahlwochenende? 

Wir haben teilweise sehr gut abgeschnitten. Wir konnten Gemeindeammänner sichern oder zurückholen. Wir konnten in der Exekutive Sitze erringen, aber auch in Schulpflegen und Finanzkommissionen. Andererseits geben mir zwei Dinge zu denken.

Was meinen Sie genau?

Wir haben gerade im Bezirk Zofingen viele Parteilose in den Gemeinderäten. Das erstaunt mich, andererseits zeigt es mir, dass wir zu wenig und zu wenig aktive Ortsparteien haben, die Kandidaten suchen, nominieren und mit ihnen Wahlkampf betreiben. Der zweite Punkt, der mich bedrückt, ist die Tatsache, dass die SVP ihre Ziele in den Städten nicht erreicht hat.

Etwa in Aarau und Zofingen.

Ja. In Aarau hatten wir mit Simon Burger, dem leitenden Staatsanwalt aus Zofingen, einen ganz hervorragenden Kandidaten. Mit seiner Kandidatur haben wir das Ziel bei weitem nicht erreicht. Es gibt mir zu denken, dass wir mit so guten Leuten nicht gewinnen.

In Zofingen ist die SVP die stärkste Fraktion im Einwohnerrat, hat aber keinen Sitz im Stadtrat.

Das ist leider so. Auch in Zofingen sind wir mit einer sehr guten Kandidatin angetreten. Ich war überzeugt, dass Barbara Willisegger das Rennen macht.

Weshalb schaffte sie es nicht?

Einerseits – und das gilt insbesondere für Zofingen – fehlen uns Wahlallianzen. Wenn wir beispielsweise nach Lenzburg schauen, so haben wir dort seit gestern einen bürgerlichen Stadtrat, weil die bürgerlichen Parteien gemeinsam eine Allianz gebildet und gemeinsam Wahlkampf betrieben haben. Das fand in Zofingen, Aarau und Baden zu wenig statt. Es gab nur lose Partnerschaften, die man aber nicht spürte. Es irritiert mich, dass bei den Exekutivwahlen jeweils von allen Seiten betont wird, wie wichtig es ist, alle relevanten Kräfte und somit auch die SVP einzubinden. Doch wenn es dann konkret darum geht, die Konkordanz zu wahren, wird halt allzu oft einfach ein Machtspiel gespielt.

Gibt es noch weitere Gründe für das durchzogene Abschneiden?

Wir machen immer sehr direkt auf die Probleme in den Städten und Gemeinden aufmerksam. Dazu gehören immer die Löcher in den Finanzen. Wir wehren uns gegen Steuererhöhungen und sagen, man müsse sparen. Das hören nicht alle Leute gern. Dazu kommt, dass in den Städten die Bevölkerungsstruktur heute ganz ist anders als noch vor 10 oder 15 Jahren. Gerade in Zofingen: Da wohnen inzwischen viele Leute, die mit der Stadt nicht mehr so verbunden sind – und gerade diese Leute erreicht die SVP noch zu wenig.

Was ist Ihre Lehre daraus?

Wir sagen ja immer: «SVP bi de Lüüt». Das müssen wir noch mehr umsetzen. Hinaus zu den Menschen, ihnen die Probleme und Lösungsansätze aufzeigen. Konkret: Wir müssen unsere Ortsparteien stärken. Wir sind die Kantonalpartei, die 150 Ortsparteien hat – mit Abstand am meisten von allen Parteien. Dieses Fundament müssen wir sichern. Es ist das Fundament, das zu den Erfolgen auf nationaler Ebene geführt hat. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass dieses Fundament nicht zu erodieren beginnt.

Im Bezirk Zofingen hat die SVP gestern drei Ammänner verloren: In Uerkheim, Wiliberg, Rothrist.

Ja, leider. Zwei von den dreien sind parteilos. Viele konnten wir auch halten. Wir müssen künftig direkt und besser mit den Wählerinnen und Wählern reden. Ihnen unsere Politik schmackhaft machen und Lösungen aufzuzeigen.

Speziell war die Situation am Bezirksgericht: SVP-Kandidatin Claudia Lengyel-Zimmerli zog sich im zweiten Wahlgang zurück und stieg ins Rennen um einen Gemeinderatssitz in Rothrist. An ihrer Stelle kandidierte Roberta Giezendanner fürs Bezirksgericht. Beide Frauen scheiterten.

Roberta Giezendanner wäre eine ausgezeichnete Richterin gewesen, Frau Lengyel eine ausgezeichnete Gemeinderätin. Der Wechsel gab viel zu diskutieren und war sicher nicht zu unserem Vorteil.

War die Rochade ein Fehler?

Ich habe heute im Zofinger Tagblatt gelesen, dass Frau Lengyel gesagt hat, es sei kein Fehler gewesen.

War es ein Fehler?

Frau Lengyel wurde angefragt, ob sie Gemeinderätin werden will; das lag ihr näher, obwohl die Ausgangslage fürs Bezirksgericht für sie gut gewesen wäre. Das war eine persönliche Entscheidung, die wir akzeptierten, weshalb wir eine neue, hervorragende Kandidatin suchten und fanden. Frau Giezendanner betrieb einen guten Wahlkampf. Aber am Schluss entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, wer gewählt ist.

Wie arbeitet die SVP die Wahlergebnisse nun auf?

Wie bei allen Wahlen: Wir analysieren die Ergebnisse kritisch und ziehen die entsprechenden Folgerungen. Wir waren die letzten Jahre erfolgsverwöhnt. Es gibt andere Zeiten, in denen man auch mal verliert. Das muss man akzeptieren – aber sich auch die Frage stellen, warum es so weit gekommen ist.

 

 

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