Nach Badi-Fiasko: Aarburger Gemeinderat will Bibliothek wegsparen

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Die Stadtblibliothek: Für viele Einwohner ein Ort, der mit Emotion und Erinnerung verbunden ist. (rahel wirz)

Ende Jahr wird Aarburg mit 27,4 Millionen Franken verschuldet sein. Um diese Schulden abzubauen, sei «zwingend Handlungsbedarf angesagt», sagt Finanzvorsteher Alois Spielmann (CVP). Die Gemeinderäte haben die Ausgaben Aarburgs analysiert und Vor- und Nachteile einzelner Budgetposten gegeneinander abgewogen. Eine undankbare Aufgabe. Die Exekutive sieht keinen anderen Weg mehr, als zu drastischen Mitteln zu greifen.

Vor zwei Wochen machte diese Zeitung publik, dass das Freibad infrage gestellt wird. Während für die Badi aber erst ein kleinerer Projektierungs- und Planungskredit an der Gemeindeversammlung von Ende November traktandiert ist, geht es bei der Stadtbibliothek ums Eingemachte: Der Gemeinderat beantragt den Stimmbürgern, die Bibliothek per Ende Jahr zu schliessen, um damit jährlich 60 000 Franken zu sparen. Ein Vorschlag, der hohe Wellen wirft.

Weniger Angebot, weniger Schulden

«Den Fünfer und das Weggli zu haben – das ist in unserer Gemeinde leider nicht mehr vertretbar», begründet Ammann Hans-Ulrich Schär (parteilos). Zwar soll die Gemeinde dank dem neuen kantonalen Finanzausgleich in Zukunft wieder Gewinne schreiben. «Es geht aber um unsere Schulden», sagt Schär, «und wenn wir langfristig finanziell gesund und als Wohngemeinde steuertechnisch attraktiv bleiben wollen, müssen wir auch Themen anpacken, die keine Freudensprünge auslösen.»

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«Den Fünfer und das Weggli zu haben – das ist in unserer Gemeinde nicht mehr vertretbar», sagt Hans-Ulrich Schär, Ammann Aarburg.

Wo ein gesetzlicher Auftrag bestehe – wie etwa bei der Sozialhilfe – kann der Gemeinderat nicht sparen. Deshalb seien unpopuläre Entscheide notwendig. «Wir würden auch lieber sparen, ohne dass es wehtut», sagt Schär in Namen des Gesamtgemeinderates. «Wir sind aber zum Schluss gekommen, dass es anders nicht mehr geht.» Man könne nicht immer nach tieferen Steuern rufen und gleichzeitig Sparmassnahmen ablehnen. Es gibt auch Institutionen, die dem Sparhammer noch einmal entkommen, so zum Beispiel das Heimatmuseum (siehe Ausgabe von gestern).

Innovative, aktive Bibliothek

Von der Schliessung der Bibliothek direkt betroffen wären die Leiterin Christine Jenni und ihre zeitweise bis acht Mitarbeitenden. Nicht einfach ein «Haus für Bücher, Spiele und DVDs» ist in Gefahr – die Bibliothek mit ihren rund 17 000 Ausleihen jährlich führt regelmässig Veranstaltungen und Aktionen durch: Lesungen, Klassenführungen mit Kindergärten, eine Erzählnacht für Kinder oder den «BuchstartAnlass», ein Leseförderungsprojekt vor allem für fremdsprachige Mütter und ihre Kinder. Bekanntlich liegt der Ausländeranteil in Aarburg bei fast 45 Prozent. Immerhin: Die Schulbibliotheken Paradiesli und Höhe bleiben unangetastet.

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Ein neunköpfiges Team arbeitet heute in der Stadtbibliothek. (rsw)

Dass das Streichen beliebter Angebote wie der Badi und der Bibliothek die Gemeinde nicht attraktiver macht, ist Schär und seinen Ratskollegen bewusst. «Ich verstehe, dass dies Emotionen weckt», sagt der Ammann.

Dennoch liessen sich mit der Bibliotheksschliessung nicht nur 60 000 Franken für Miete, Personal und Betrieb sparen. Im Kurthhaus, das der Gemeinde gehört, würde Platz geschaffen für Alternativnutzungen. Beispielsweise «für Teile der aus allen Nähten platzenden Gemeindeverwaltung», wie es in der Botschaft zur Gmeind heisst.

Was die Bibliotheksmitarbeitenden zu alledem sagen, ist bisher nicht bekannt. Die Kommunikation zum Thema läuft ausschliesslich über den Gemeinderat.




Umschau Region: Keine weiteren Schliessung geplant

Während die Stadtbibliothek Aarburg im Kurthhaus im Städtchen per Ende dieses Jahres geschlossen werden könnte, ist eine Abschaffung in anderen Gemeinden der Region offenbar kein Thema. In der bevölkerungsstärksten Gemeinde Oftringen bleibt die Bibliothek bestehen und wurde auch in der Vergangenheit nicht infrage gestellt, wie Finanzvorsteher Markus Steiner (SP) sagt. Entwarnung geben auch Strengelbach, Vordemwald und Brittnau. Die Bibliothek von Rothrist kostet die Gemeinde jährlich rund 150 000 Franken, was einem Steuerprozent entspricht. Zumindest für 2018 ist eine Schliessung gemäss Gemeindeammann Hans Jürg Koch kein Thema. Im Bezirkshauptort Zofingen wurde aus Spargründen vor einigen Jahren der Donnerstagmorgen aus den Öffnungszeiten gestrichen. Allgemein bleibe Sparen ein Dauerthema, auch hinsichtlich des Budgets 2018, heisst es aus der Verwaltung.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Liebe Mitmenschen,

Peter Vonlanthen
schrieb am 02.10.2017 10:55
denkt bitte jederzeit daran: "Nur nicht leben ist günstiger". Vielleicht ist das makaber, aber nennen sie echtes Sparpotenzial! Jede Gemeinde, jeder Budgetausschuss, jede Kostenstelle nimmt brauchbare Vorschläge dankend entgegen. Die Kostenverschiebungen im Staate Schweiz von oben nach unten - und in dieser Hierarchie ist die Gemeinde zuunterst - führen dazu, dass solch unkonventionelle Überlegungen gemacht werden und allenfalls entsprechende Entscheide fallen müssen.

Aarburg will keine Kultur

heinz fritschi
schrieb am 30.09.2017 12:13
An Kultur und Bildung sparen. Wie dumm! Zahlt die Gemeinde dafür die dumme Knallerei am Sommerfest oder ist das privat bezahlt? Die könnten das Geld sinnvoll für die Bibliothek einsetzen.

Attraktiv?

rodolfo
schrieb am 30.09.2017 10:35
Wir haben doch schon den höchsten Steuerfuss des ganzen Kantons Aargau, und der liebe Herr Schär will, dass Aarburg steuertechnisch attraktiv bleibt? Ehrlich gesagt, ich komm da nicht mehr mit!
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