Das sind die Aargauer Auf- und Absteiger 2017

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Weder für den FCA noch für Wohlen ist das Fussball-Jahr mit ausgesprochen glücklichen Emotionen verbunden. (Bild: Google)
Papa Moll (Aufsteiger): Der erste Papa-Moll-Spielfim läuft in den Kinos gut. Offenkundig ist es gelungen, der einst von Edith Oppenheim so liebenswert gezeichneten Familie Moll auch filmisch Leben einzuhauchen. Viele Zuschauer dürften sich im einen oder anderen Missgeschick von Papa Moll, der doch alles nur gut meint, selbst erkennen. Es tut gut, zu sehen, dass auch anderen Malheurs passieren.
Andreas Glarner (Absteiger): Gar nicht lief es dem Dok-Film «Willkommen in der Schweiz». Er zeigte die Debatte über die (Nicht-)Aufnahme von Flüchtlingen anhand von Oberwil-Lieli und seinem Ammann Andreas Glarner. Kaum jemand wollte den Kinofilm sehen. Kurz vor Ende seiner Amtszeit verlor Glarner dann den Flüchtlingsstreit vor Gericht: Sein Oberwil-Lieli muss 100 000 Franken Ersatzabgabe zahlen.
Markus Schneider (Aufsteiger): In Baden ist Schneider Ammann. Der erfahrene CVP-Mann setzte sich im zweiten Wahlgang gegen den parteilosen Erich Obrist durch; Sandra Kohler blieb chancenlos und Geri Müller war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Damit haben sich die Bürgerlichen durch einen Schulterschluss zurückgeholt, was sie vor vier Jahren verloren haben: die politische Führung der Bäderstadt.
Geri Müller (Absteiger): Bereits im ersten Wahlgang erhielt der amtierende Stadtammann von den Badenerinnen und Badenern die Quittung für seine Leistungen: Er wurde schnöde abgewählt. Was er weiter tun wird mit der vielen freien Zeit, die er ab dem 1. Januar hat, weiss er noch nicht. Im neuen Jahr aber will er sich bald zwei oder drei Wochen zurückziehen und den «Plan B» entwickeln.
Handball (Aufsteiger): Im letzten Jahr ist der HSC Suhr Aarau in die NLA aufgestiegen und hat sich gleich für die Finalrunde qualifiziert, dieses Jahr hat der TV Endingen den Aufstieg in die höchste Liga geschafft. Die beiden Aargauer Handballclubs setzen stark auf den eigenen Nachwuchs. Das Derby Suhr Aarau gegen Endingen lockt mittlerweile mehr Zuschauer an als Wohlen-Aarau im Fussball.
Fussball (Absteiger): Die beiden besten Fussballclubs im Kanton kämpfen chronisch mit Problemen auf und neben dem Platz. Der FCA liegt in der Tabelle nur auf Platz 7 und bleibt deutlich unter den Erwartungen, dazu kommt die Hängepartie um das neue Stadion. Und bei Wohlen drohen wortwörtlich die Lichter auszugehen, wenn das Geld für eine neue Flutlichtanlage nicht zusammenkommt.
Schwarzmeergrundel (Aufsteiger): Hübsch ist der Fisch nicht, ein Aufsteiger aber sehr wohl – zum Missfallen der Fischer und des Kantons: Die Schwarzmeergrundel, die heimische Arten bedroht, schwimmt unaufhaltsam den Rhein hinauf und breitet sich rasch aus. Dabei lässt sich der Fremdling auch nicht von Kraftwerken aufhalten – kein Wunder, gibt es dort doch heute fast überall Aufstiegshilfen in Form von Fischtreppen.
Biber (Absteiger): Mit dem Biber kommt die Grundel dabei nicht in Konflikt, doch das Nagetier ist längst nicht mehr der reine Sympathieträger: Bauern sprechen von Problembibern, die Felder unter Wasser setzen und beseitigt werden müssen, Naturschützer ziehen gegen die Entfernung von Biberdämmen vor Gericht – gut, verbringen die Biber den Winter in ihrer Burg, so sich die Debatten ein bisschen beruhigen.
Martina Bircher (Aufsteiger): Die Sozialvorsteherin von Aarburg darf sich doppelt freuen. In ihrem ersten Jahr als Grossrätin hat sich die SVP-Politikerin gleich als hartnäckige Sozialhilfe- Spezialistin etabliert. Kurz vor Jahresende ist Bircher und ihre Gemeinde auch die rote Laterne bei der Sozialhilfequote losgeworden. Neu hat nicht mehr Aarburg, sondern Spreitenbach anteilsmässig am meisten Sozialhilfeempfänger.
Dominik Riner (Absteiger): Kaum gewählt, musste der Brugger SVPBezirkspräsident das Mandat als neuer Grossrat wieder abgeben. Riner stolperte über eine Finanzaffäre. Er hatte Geld aus der Parteikasse abgezweigt. Auch wenn er sich nicht selber bereicherte und das Geld zurückzahlte, wurde der Druck innerhalb der Partei zu gross. Seinen Rücktritt begründete Riner unter anderem damit, «den Ruf der Partei zu wahren».
Bäckerberuf (Aufsteiger): Die 21-jährige Ramona Bolliger aus Gontenschwil holte an den Berufsweltmeisterschaften Gold als Bäckerin. Dominik Frei, Präsident ihres Berufsverbandes, sagte, wenn sie sich irgendwo auf der Welt bewerbe, habe sie grosse Chancen. Recht hat er. Aber hoffen wir nicht alle, dass sie in der Schweiz bleibt? So oder so ist Bolliger eine perfekte Botschafterin für den unter Druck geratenen Bäckerberuf.
Metzger (Absteiger): Einst gehörte selbstverständlich zu jedem Dorf minimal eine Molkerei, eine Bäckerei und eine Metzgerei. Die Molkereien wurden als erstes seltener, dann wurde es angesichts wachsender Konkurrenz von Ladenketten auch für Bäckereien und Metzgereien immer schwieriger. Jetzt schliesst die Metzgerei Speck in der Aarauer Altstadt. Schade auch um dieses wichtige Stück Altstadt.
Markus Wopmann (Aufsteiger): Kinderarzt Markus Wopmann (62) ist «Aargauer des Jahres 2017». Seit 30 Jahren setzt er sich für misshandelte Kinder ein. 1991 gründete er als Chefarzt der Kinderklinik am Kantonsspital Baden die Kinderschutzgruppe Baden. Am Anfang seines Engagements für misshandelte Kinder stand ein tragischer Vorfall: Ein 3-jähriges Kind starb, nachdem es von den Eltern schwer misshandelt worden war.
Abzocker-Arzt (Absteiger): Der 82-jährige Skandalarzt aus dem Bezirk Zurzach wurde wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen. Er hatte schwerstabhängigen Patienten illegal Betäubungsmittel zu einem überhöhten Preis verkauft. Zudem stellte er seinen Patienten massiv überhöhte Rechnungen. Dem deutschen Arzt droht ein Berufsverbot sowie Wegweisung aus der Schweiz.
Barbara Horlacher (Aufsteiger): Es war ein historischer Moment: Erstmals wird in Brugg eine Frau und Grüne Stadtammann. Der Sieg der 46-Jährigen war wohl die grösste Überraschung der Wahlen in Aargauer Städten diesen Herbst. Horlacher kündigt nun ihre Stelle beim Flughafen Basel-Mulhouse, wo sie die Abteilung Umwelt leitet und bezieht ihr Büro im Stadthaus, wo viel Arbeit und hohe Ansprüche warten.
Titus Meier (Absteiger): Der 36-jährige FDP-Politiker setzte alles auf eine Karte, doch er pokerte zu hoch. Meier verlor nicht nur das Stadtammann- Duell gegen Horlacher, er demissionierte als Folge auch als Stadtrat. Der ambitionierte Freisinnige machte schon vor den Wahlen deutlich, dass er aus beruflichen Gründen nur das Stadtammann- Vollamt und nicht das Nebenamt als Stadtrat akzeptieren würde.
Peter Rey (Aufsteiger): 2017 war Winzer Peter Reys letztes Jahr als Rebbaukommissär – kein leichtes Jahr für ihn und die Aargauer Winzer. Der Frost im April setzte den Trauben stark zu. Im Herbst folgte dann die Überraschung: Die Ausfälle waren kleiner als befürchtet, die Qualität besser als erwartet. Reys Kommentar bevor er sich nach 34 Jahren in die Pension verabschiedete: «Ein denkwürdiges Jahr.»
Kirschessigfliege (Absteiger): Das Schreckgespenst vieler Winzer hat seinen Schrecken verloren: Die Kirschessigfliege richtete dieses Jahr kaum Schäden an den Reben an. Claudia Daniel vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) sagt: «Das Problem ist im Weinbau so gut wie gelöst.» Zu verdanken ist dies auch dem natürlichen Tonerde-Spritzmittel Kaolin, das seit diesem Jahr zugelassen ist.
Chrsitian Brönnimann (Aufsteiger): Die Dectris AG von CEO Christian Brönnimann entwickelt und produziert Röntgendetektoren – und dies mit Erfolg. Das Badener Hightech-Unternehmen kann auf ein erfreuliches Jahr zurückblicken: Wirtschaftspreis gewonnen (Prix SVC Nordschweiz), 20 neue Arbeitsplätze geschaffen (inzwischen über 100 Mitarbeiter) und expandiert (erstes Büro in den USA).
Michael Rechsteiner (Absteiger): 1400 Stellen streicht General Electric im Kanton Aargau, betroffen sind die Standorte in Baden, Birr und Oberentfelden. Der Konzern begründet den Abbau mit der Krise im Energiegeschäft. Beschlossen wurde der Kahlschlag in der Zentrale in den USA. Umsetzen muss den Sparbefehl nun aber Michael Rechsteiner, er ist der Verantwortliche für GE in der Schweiz.
Irène Kälin (Aufsteiger): Die Ständeratskandidatin von 2015 und Zweitplatzierte auf der Nationalratsliste der Aargauer Grünen konnte Fricker beerben. Irène Kälin packte als wortgewandte Islamwissenschafterin und Fraktionschefin im Grossen Rat ihre Chance, wurde in der Dezembersession vereidigt und hat mit Vorstössen bereits klar gemacht, dass mit ihr zu rechnen ist.
Jonas Fricker (Absteiger): 2015 hat er den Sitz der Grünen im Nationalrat erobert. Er verspielte ihn diesen Herbst mit einem unsäglichen Holocaust- Vergleich am Rednerpult im Nationalratssaal. Er entschuldigte sich sofort, doch es half nichts: Wichtige Parteikollegen haben ihm den Rücktritt nahe gelegt. Und so kam es dann auch. Es spricht für Fricker, dass er den Fall nicht einfach ausgesessen hat.
Seven (Aufsteiger): Seven (39) aus Wohlen hat 2017 mit seiner Mischung aus Funk, Soul und Pop geschafft, was wenigen Schweizern vorbehalten bleibt: den Durchbruch ennet des Rheins. Durch die TV-Sendung «Sing meinen Song» bekannt geworden, nutzte er die Gunst des Moments und begab sich mit dem starken neuen Album «4Colors» auf Tour durch die grössten Städte Deutschlands und Österreichs. Chapeau!
Elfy Roca (Absteiger): Kultur braucht Bildung und umgekehrt. Elfy Roca und Harold Ronge haben es fast im Alleingang geschafft, dass sich die Aargauerinnen und Aargauer genauer überlegen mussten, was für eine Schule sie künftig möchten. Sie führten das Komitee «Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21». Die Initiative stürzte im Februar an der Urne aber mit fast 70 Prozent Nein-Stimmen ab.
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