Hans-Ruedi Hottiger: «Ich will nicht zur ‹Lame Duck› werden»

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Packt die nächste Legislatur mit Leidenschaft an: Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger Ende Dezember im Rathaus. (Bild: bkr)

Herr Hottiger, wie fällt der Rückblick auf das Jahr 2017 in den Augen des Stadtammanns aus?
Weil ich ungefähr weiss, wie die Rechnung ausfällt – recht positiv. Diese wird zwar etwas belastet durch das grosse Unwetter vom 8. Juli. Dieses hat aber auch bewiesen, dass wir Jahrhundertereignisse bewältigen können – ohne fremde Hilfe. Das gibt Selbstvertrauen, dass wir organisatorisch richtig aufgestellt sind.

Also ein positives Fazit?
Ja, auch das Steuersubstrat entwickelt sich weiter positiv, gegen den Trend im Kanton. Wir werden leicht über Budget liegen. Unsere Steuerkraft nimmt zu, ohne dass wir stark wachsen; Zofingen wird Ende Jahr rund 40 Einwohner mehr zählen. Das ist das, was wir angestrebt haben: Die Strategie des qualitativen Wachstums geht auf.

Es stehen grosse Investitionen an.
Ja, das wird wohl die grösste Herausforderung. Wir haben ein Investitionsdefizit vor uns hergeschoben. Investitionen sind auch mühsam: Infrastrukturbauten sind politische Knochenarbeit. Finanziell bin ich zuversichtlich, dass wir Lösungen finden.

Zum Beispiel bei den Parkhäusern; davon braucht es gleich zwei.
Ja, wir müssen beim Bildungszentrum Parkraum schaffen, unter anderem auch für die Veranstaltungen auf den Trinermatten, und in der Altstadt. Denkbar sind hier Spezialfinanzierungen.

Dass ein Privater einsteigt?
Zum Beispiel. Oder wir lösen die Finanzierung aus der laufenden Rechnung heraus, so dass sich die Parkhäuser selbst finanzieren und amortisieren müssen. Damit könnten wir auch gleich das Thema der Parktarife erledigen. Denn wenn wir die Parkhäuser in der laufenden Rechnung haben, kommen immer wieder einige Leute auf die Idee, wir könnten die Parktarife subventionieren.

Was ist das optimistische Szenario? Es drängt.
Ich hoffe, dass das Parkhaus beim Bildungszentrum Ende Legislatur, also Ende 2021, steht. Dort haben wir ein echtes Problem. Für das zweite Parkhaus hoffe ich, dass wir dann ein umsetzbares Projekt haben. Ein Parkhaus und dessen Betrieb hängt aber auch vom Parkregime ab. Deshalb finde ich es persönlich am besten, wenn der Betrieb der Parkhäuser in der Hand der Stadt bleibt, so können wir die verschiedenen Tarife aufeinander abstimmen. Wenn wir die Parkhäuser bauen, dürfen wir die Knochenarbeit mit der Anpassung des Parkregimes nicht scheuen.

Auch beim Verkehrsregime gibt es grosse Mocken. Wie geht es bei der Aarburgerstrasse weiter? Der Stadtrat hat das Projekt zurückgezogen.
Dort ist uns nicht gelungen zu zeigen, dass es auf stark benutzten Strassen neue Lösungen braucht, also wie Autofahrer, Velofahrer und Fussgänger den Raum gemeinsam nutzen können. Da müssen wir nachputzen; und wir müssen den Leuten besser erklären, was wir dort wollen. Dann gibt es einige, welche die Unterführung Aarburgerstrasse nicht wollen. Diese ist aber in meinen Augen vital für unsere Stadt, sonst fällt öfters das ganze ÖV-Netz zusammen. Ziel ist, das Projekt Aarburgerstrasse Ende 2018 nochmals ins Parlament zu bringen. Im Januar wissen wir zudem, ob der Bund an die Unterführung 35 bis 40 Prozent zahlt.

Ein anderer Hotspot ist der untere Stadteingang.
Wir haben ein fertiges Strassenbauprojekt, das nächstes Jahr ins Parlament geht. Aber eher in der zweiten Hälfte 2018, weil uns die Erfahrung gelehrt hat, dass wir gut erklären müssen, was wir dort wollen. Daran gekoppelt ist ja ein Überbauungsprojekt mit zentrumsnahem, qualitativ hochstehendem Wohnraum. Ich wünsche mir, dass wir in den nächsten vier Jahren mit dem Bauen beginnen können.

Unklar ist auch, wie es beim Bahnhof weitergehen soll. Was können Sie dazu sagen?
Hier gehen die Meinungen und Ansprüche extrem auseinander. Die Velofahrer möchten eine möglichst grosse, bewachte Velostation. Manchen geht das viel zu weit, und wieder andere wollen mehr Kurzzeitparkplätze. Auch die Taxibetreiber und die SBB haben Wünsche. Zudem haben wir einen bestehenden Parkhausaufgang. Hier ein mehrheitsfähiges Projekt zu finden, ist sehr schwierig. Das kommt aber sicher in den nächsten Jahren auf den Tisch.

Aber eine gute Anbindung mit Velos an den Bahnhof ist unbestritten, oder nicht?
Absolut. Aber das rüberzubringen ist etwas Anderes. Die Velostation kostet über eine Million Franken.

Aber muss die so teuer sein?
Da gehen eben die Meinungen extrem auseinander. Wie viele Velos sollen Platz haben? Wie ist der Ausbaustandard? Fast alle Zentrumsgemeinden haben Mühe, hier einen Konsens zu finden, obwohl der Veloverkehr unbestritten ist.

Kritik gab es auch beim Radwegkonzept.
Womit wir ein echtes Problem haben – und da hat die SP zu Recht darauf aufmerksam gemacht – sind die Velo-Abstellplätze in der Altstadt. Hier müssen wir was unternehmen. Die Denkmalpflege macht hier aber Einschränkungen, gedeckte Veloständer zum Beispiel sind nicht möglich.

Für 2018 planen Einwohner- und Ortsbürgergemeinde eine Bereinigung der Aufgaben. Wo steht man hier?
Die Ortsbürgergemeinde hat in den letzten Jahrzehnten keine Mittel in Renditeobjekte investiert. Deshalb hat sie auch die Mittel nicht, ihre Gebäude zu sanieren, zum Beispiel dieses Rathaus hier. Zwei Sanierungsmodelle sind in den letzten Jahren gescheitert. Jetzt wird es langsam gefährlich, denn wenn man die Gebäude nicht saniert, dann verfallen diese. Eine Arbeitsgruppe ist zurzeit daran, eine vernünftige Übergabe eines Teils des Immobilienportfolios an die Einwohnergemeinde auszuarbeiten.

Zur Person

Der parteilose Hans-Ruedi Hottiger ist seit 2004 Stadtrat von Zofingen, seit 2006 als Stadtammann. Er ist für die Ressorts Personal, Sport und Wirtschaft sowie für die Stadtkanzlei und die Finanzen zuständig. Hottiger ist zudem Mitglied des Aargauer Kantonsparlaments.

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Voller Tatendrang: Hans-Ruedi Hottiger Ende Dezember auf der Treppe des Rathauses in Zofingen. (Bild: Beat Kirchhofer)

Wie sieht eine solche Vereinbarung aus?
Das Portfolio würde zum Landwert übergehen, gleichzeitig würde die Einwohnergemeinde die Sanierungsverpflichtung übernehmen. Wie die Details aussehen, wird sich in den nächsten Wochen weisen. Gleichzeitig schlägt die Arbeitsgruppe vor, welche Aufgaben die Ortsbürgergemeinde künftig noch übernehmen soll und welche nicht; sicher wollen sich die Ortsbürger mit dem Museum auch künftig kulturell engagieren. Hier gibt es gute Signale, dass es zu einer mehrheitsfähigen Übereinkunft kommt; so, dass die Immobilienfrage geklärt wird und die Ortsbürgergemeinde ihre Kernaufgaben weiterhin pflegen kann.

Das Heitern-Areal gehört ebenfalls der Ortsbürgergemeinde. Was ist damit?
Auch dieser Fragen hat sich die Arbeitsgruppe angenommen und geklärt, was dort künftig stattfinden soll. Dort gibt es ja immer Nutzungskonflikte. Auch darüber wird die Ortsbürgergemeinde an einer ihrer nächsten Versammlungen befinden.

Was ist Ihre Meinung zur Mittelland- Arena?
Das Wichtigste ist gesagt: Die Initianten haben noch keinen Ankermieter, also keinen Sportverband, der dort einzieht. Ohne einen solchen ist die Arena nicht tragbar, das sieht man bei anderen, ähnlichen Objekten.

Aber wenn die Bedingung erfüllt ist, dann ist der Stadtrat weiterhin dafür?
Ja, er hat sich ja positiv geäussert, ich persönlich finde das Projekt Mittelland- Arena super.

Ab 2018 sind die Lasten zwischen Gemeinden und Kanton neu verteilt. Was bedeutet das für die Stadt? Ein Nullsummenspiel?
Nein, für uns wird es sich negativ auswirken. Wir haben beispielsweise überdurchschnittliche Belastungen in der Sozialhilfe, die jetzt zu 100 Prozent von den Gemeinden getragen werden. Wir werden das Budget 2017 in der Sozialhilfe um einiges überschiessen; um wie viel, ist noch nicht klar. Trotzdem überwiegen für mich die positiven Aspekte des neuen, transparenten Finanzausgleichs; wir waren bis jetzt immer die einzigen Zahler in der Region und wussten nicht genau, warum andere Gemeinden – mit zum Teil tieferen Steuerfüssen und ohne Zentrumslasten – zu den Empfängern gehörten. Das gab kein gutes Gefühl. Jetzt weiss man, warum man bezahlt, und man weiss, warum man etwas bekommt.

Für Sie persönlich ist 2018 ein spezielles Jahr, Sie werden 65.
Ja, stimmt. Ich bin jemand, der auf Körpersignale hört. Ich kann sagen: Ich habe Lust auf eine weitere Amtsperiode, und fühle mich dazu körperlich und geistig fit genug. Deshalb ist für mich der 65. Geburtstag nicht so ein wichtiges Thema. Ich habe im Sport gelernt, auf den Körper zu hören und zu entscheiden, wann genug ist. Jetzt habe ich das Gefühl: Ich bin nicht fertig. Ich mache den Job gern und habe gute Kolleginnen und Kollegen. Es war in den letzten zwölf Jahren nicht immer so gut im Stadtrat, wie es die letzten vier Jahre war.

Wie erholen Sie sich?
Ich bin nicht jemand, der die Koffer packen und zwei Wochen verreisen muss, um sich zu erholen. Ich kann aus dem Büro gehen und abschalten; ich habe beispielsweise die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr genossen. Ich habe jeweils ein paar Stunden gearbeitet und aufgeräumt, dann aber auch die freie Zeit genutzt. Entscheidend ist, ganz gezielt seine Kontakte zu pflegen.

Sie treffen sich regelmässig mit ehemaligen Handball-Kollegen?
Ja, mit drei Kollegen treffe ich mich monatlich. Das Meisterteam aus dem Jahr 1983 traf sich letztes Jahr seit langem wieder einmal zu einem Nachtessen; das war so toll, dass wir das jetzt jedes Jahr wiederholen wollen.

Vorletzte Frage: Was steht für die Stadt auf Ihrer Wunschliste ganz oben?
Ich wünsche mir, dass wir einander anhören und genügend tolerant sind, um bei den anstehenden Herausforderungen konstruktive Lösungen zu finden; vielleicht auch Lösungen, die für einen persönlich nicht ideal sind, aber der Mehrheit sehr viel bringen. Ich wünsche mir also einen guten, intensiven Dialog.

Und schliesslich die letzte Frage: Was wünschen Sie für sich persönlich?
Ich will nicht zur «Lame Duck» werden und wünsche mir, dass die Leidenschaft, die ich für den Job spüre, anhält. Vier Jahre lang volle Pulle und danach sagen: So, das war’s.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Lame Duck, das ist er doch schon

Mättu
schrieb am 03.01.2018 13:15
und vielleicht sollte der Stadtrat besser zuhören als besser erklären zu wollen. Wenn ein Projekt schlecht ist, dann bleibt es auch schlecht wenn man mehr erklärt.
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