"Jetzt herrschen klare Verhältnisse"

Andy Schmid kehrt nach einjähriger Pause in die Nati zurück. In den Playoff-Spielen gegen den WM-Finalisten Norwegen steht der Captain des Bundesliga-Champions Rhein-Neckar Löwen wieder zur Verfügung.

Wegen der zunehmend höheren Belastung in der Bundesliga und Champions League verzichtete der 34-Jährige während der ersten WM-Ausscheidungsphase vorübergehend auf Zusatzbelastungen mit dem Nationalteam. Nun hat sich der Verband mit dem besten Spieler der Schweizer Handball-Geschichte auf ein längerfristiges Comeback geeinigt.

"Er kann und wird im ganzen Gefüge ein wichtiger Mosaikstein sein", zeigt sich Nationalcoach Michael Suter erfreut über die positive Entwicklung im Zusammenhang mit dem Regisseur. Bei verschiedenen Sondierungsgesprächen habe er gespürt, "dass er eine grosse Motivation für dieses Projekt mitbringt. Im Angriff kann uns Andy mit seiner Klasse einen grossen Schritt nach vorne bringen."

Unter der Ägide von SHV-Vize Peter Leutwyler wurde eine vertragliche Vereinbarung ausgearbeitet, welche die Zusammenarbeit mit Schmid in den kommenden zwei Jahren im Detail regelt. Der Superstar der Rhein-Neckar Löwen wird nach dem WM-Playoff im Juni auch im Rahmen der kommenden EM-Qualifikation gegen Kroatien, Serbien und Belgien ausnahmslos disponibel sein.

Neben dem Parkett soll Schmid innerhalb eines offiziellen Verbandsmandats als Handball-Ambassador unterwegs sein. "Er ist ja schon jetzt eine Art Botschafter der Schweizer Handball-Szene", sagt Pascal Jenny, das auch ausserhalb der nationalen Sportpolitik sehr gut vernetzte Zentralvorstandsmitglied zur Nachrichtenagentur sda. Eine Figur wie den vierfachen Bundesliga-MVP müsse man umfassend in die SHV-Kampagne integrieren, steht für den früheren Internationalen Jenny ausser Zweifel.

Nur Komplimente bekam Schmid nicht zu hören, der Deal beinhaltet mehr als schöne Worte. Die Verantwortlichen bieten dem zweifachen Bundesliga-Meister die Chance, nach der Karriere beruflich Fuss zu fassen. "Er kann im Handball-Verband arbeiten - im Marketingbereich oder als Trainer. Andy darf aber auch einen anderen Weg einschlagen, wir bieten ihm eine Einstiegsmöglichkeit", erklärt Jenny.

Der seit acht Jahren und bis 2020 in Mannheim engagierte Innerschweizer liess sich von den fundierten Ideen der SHV-Leitung überzeugen: "Mit diesem Plan kann ich leben. Die Regeneration ist zwar auch in Zukunft extrem wichtig, aber weil ich nur Qualifikations- und keine Testspiele mehr bestreite, geht es für mich auf."

Er habe sich immer Klarheit gewünscht, so Schmid zur SDA. "Jetzt herrschen klare Verhältnisse. Bisher habe ich im Nationalteam keinen richtigen Erfolg feiern können, ich will irgendwann aber ein Happy End. Deshalb wäre ein allfälliger Rücktritt im falschen Moment gekommen." Schmid glaubt an die Chance, sich erstmals seit der Heim-EM 2006 für eine Endrunde zu qualifizieren: "Sonst hätte ich kaum zugesagt."

Schmid hätte womöglich auch einen ganz anderen Pfad wählen können. Im Hinterzimmer des deutschen Handball-Bundes (DHB) diskutierte man offenbar das verwegene Szenario, den Leader des besten Klubteams Deutschlands zu einem Nationenwechsel zu bewegen - mit dem Adler auf der Brust zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

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